Terence McKenna und das Geheimnis der Zeitqualität

Meta-Beschreibung: Fühlst du es auch? Die Zeit scheint zu rasen. Terence McKennas radikale „Novelty Theory“ besagt: Das ist kein Gefühl, das ist die Physik des Universums. Wir blicken auf eine Theorie, die erklärt, warum sich alles beschleunigt.


Du kennst das Gefühl. Es ist Montagmorgen, du blinzelst, und es ist Freitagnachmittag. Das Jahr 2018 fühlt sich an, als wäre es vor drei Jahren gewesen, nicht vor sieben. Du blickst auf dein Smartphone und eine Flut von Informationen, Krisen, Durchbrüchen und Katastrophen prasselt auf dich ein – mehr, als deine Großeltern in einem ganzen Jahrzehnt verarbeiten mussten.

„Die Zeit vergeht immer schneller“, sagen wir dann. Wir schieben es auf das Alter, den Stress, das digitale Zeitalter, den Kapitalismus. Wir sagen, es ist unsere Wahrnehmung, die sich verzerrt hat.

Aber was, wenn das nicht stimmt? Was, wenn es nicht unsere Wahrnehmung ist, sondern die Zeit selbst, die ihre Natur ändert?

Einer der provokantesten und brillantesten Köpfe des 20. Jahrhunderts, der Ethnobotaniker, Mystiker und Philosoph Terence McKenna, hat genau das postuliert. Er sagte: Das Gefühl, dass die Zeit schneller vergeht, ist kein Symptom von Burnout. Es ist die grundlegendste Eigenschaft des Universums.

Wir tauchen ein in eine Idee, die so wild ist, dass sie entweder verrückt oder genial sein muss – oder beides: Terence McKennas Verständnis von Zeit.

Teil 1: Die Standard-Erklärung (Warum wir glauben, dass die Zeit rast)

Bevor wir zu McKenna kommen, lass uns die „vernünftigen“ Erklärungen ansehen. Was sagt die Wissenschaft zu unserem Gefühl der Beschleunigung?

Aus Sicht der klassischen Physik (Newton) ist Zeit ein unbeweglicher Behälter. Eine Sekunde ist eine Sekunde, unerbittlich, gleichmäßig. Einstein hat das relativiert: Zeit ist dehnbar, abhängig von Gravitation und Geschwindigkeit (Zeitdilatation). Aber nichts in der Physik deutet darauf hin, dass die Zeit universell und für alle auf der Erde schneller vergeht.

Die Psychologie sagt: Im Alter vergeht die Zeit subjektiv schneller, weil ein Jahr prozentual ein immer kleinerer Teil unseres Gesamtlebens ist. Außerdem speichert unser Gehirn neue, intensive Erfahrungen detaillierter ab als Routine. Da unser Erwachsenenleben oft routinierter ist als unsere Kindheit, „schrumpft“ die erinnerte Zeit.

Der vielleicht wichtigste Denker zu diesem Thema ist der deutsche Soziologe Hartmut Rosa. Er spricht nicht von kosmischer, sondern von „sozialer Beschleunigung“. Rosa argumentiert, dass unsere moderne Gesellschaft von drei Formen der Beschleunigung getrieben wird:

  1. Technische Beschleunigung (Internet, KI, Reisen)
  2. Beschleunigung des sozialen Wandels (Jobs, Beziehungen, Werte)
  3. Beschleunigung des Lebenstempos (mehr Aufgaben in weniger Zeit, das Gefühl, „hinterherzuhinken“)

Für Rosa ist es also die Gesellschaft, die rast, nicht der Kosmos. Das Ergebnis ist Stress und Entfremdung.

Diese Erklärungen sind logisch, plausibel und sicher zu großen Teilen wahr. Doch Terence McKenna schaute auf dieselben Daten und kam zu einem radikal anderen Schluss. Er sagte: Die soziale Beschleunigung ist nur ein Symptom. Die Ursache liegt in der DNA der Zeit selbst.

Teil 2: McKennas radikale These – Die „Novelty Theory“

Für McKenna war Zeit nicht einfach nur Dauer. Zeit hat eine Qualität. Er unterschied zwischen zwei fundamentalen Kräften im Universum: Gewohnheit (Habit) und Neuheit (Novelty).

  • Gewohnheit (Habit) ist die Tendenz zur Wiederholung, zur Routine, zur Konservierung. Es ist das, was die Physik „Entropie“ nennt – der langsame Zerfall in den Zustand der geringsten Energie. Es ist das Gestein, das Milliarden Jahre unverändert bleibt.
  • Neuheit (Novelty) ist das genaue Gegenteil. Es ist die Tendenz zur Komplexität, zur Verbindung, zur Organisation. Es ist das Entstehen von etwas, das es vorher nicht gab: Atome, Moleküle, Leben, Bewusstsein, Sprache, Kunst, Technologie.

McKennas Kernthese ist: Das Universum ist eine „Novelty-produzierende Maschine“. Der gesamte Prozess der Evolution – vom Urknall bis zum Internet – ist ein unaufhörlicher Prozess, in dem die Neuheit die Gewohnheit überwindet.

Und jetzt kommt der entscheidende Punkt: Dieser Prozess ist nicht linear. Er beschleunigt sich.

McKenna sah die Zeit als einen fraktalen Strom. Ein Fraktal ist ein Muster, das sich auf verschiedenen Skalenebenen selbst wiederholt. Er argumentierte, dass die Zeit genauso funktioniert. Große Zyklen (z.B. die Entstehung des Lebens) enthalten kleinere Zyklen (z.B. die Entstehung der Säugetiere), die wiederum noch kleinere Zyklen enthalten (die Entstehung der Menschheit), und so weiter.

Sein „Beweis“ war so unorthodox wie er selbst. Er nahm die 64 Hexagramme des I Ging (des chinesischen Buchs der Wandlungen), analysierte ihre mathematische Struktur (die King-Wen-Sequenz) und glaubte, darin einen Code gefunden zu haben – eine Art Kalender, der den Ein- und Austritt von Neuheit und Gewohnheit über Zyklen hinweg abbildet.

Daraus leitete er eine Computergrafik ab: die „Timewave“. Diese Welle, so behauptete er, zeige den Anstieg und Abfall von Neuheit in der Geschichte.

Teil 3: Warum die Zeit immer schneller vergeht

Unabhängig davon, ob man seiner I-Ging-Mathematik folgt oder nicht, ist die Konsequenz seiner Theorie das, was uns heute so anspricht.

Laut McKennas Timewave-Modell ist die Zeit rekursiv. Das bedeutet, jeder neue Zyklus ist eine komprimierte Wiederholung des vorherigen Zyklus, nur schneller.

Stell es dir so vor:

  1. Phase 1 (Milliarden Jahre): Vom Urknall bis zu den ersten Sternen. Ein unvorstellbar langer Zeitraum, in dem die Neuheit (die Bildung von Materie) sehr langsam geschah.
  2. Phase 2 (Milliarden Jahre): Die Entstehung von Planeten und komplexer Chemie. Schon etwas schneller.
  3. Phase 3 (Hundert Millionen Jahre): Die Entstehung des Lebens auf der Erde.
  4. Phase 4 (Millionen Jahre): Die Evolution komplexer Tiere, das Auftauchen der Hominiden.
  5. Phase 5 (Zehntausende Jahre): Die Entstehung von Sprache, Kunst, Landwirtschaft (Neolithische Revolution).
  6. Phase 6 (Tausende Jahre): Die Entstehung von Imperien, Philosophie, Schrift.
  7. Phase 7 (Hunderte Jahre): Die wissenschaftliche Revolution, die Aufklärung.
  8. Phase 8 (Jahrzehnte): Die industrielle Revolution, das Atomzeitalter, das digitale Zeitalter.
  9. Phase 9 (Jahre/Monate): Die KI-Revolution, globale Vernetzung…

Siehst du das Muster? Die Zeitspanne, die für einen fundamentalen Wandel benötigt wird, wird exponentiell kürzer. Was früher ein ganzes Äon dauerte, passiert jetzt in einem Jahrhundert, dann in einem Jahrzehnt, und bald vielleicht in einem Jahr.

Das, was wir als „Beschleunigung“ empfinden, ist laut McKenna der „Endanflug“ des großen fraktalen Zyklus. Wir leben in einer Zeit der kosmischen Kompression. Wir erleben nicht mehr nur eine Revolution pro Generation; wir erleben mehrere Revolutionen pro Jahr.

Teil 4: Der „Fehler“ von 2012 – und warum McKenna relevanter ist denn je

Jetzt müssen wir über den Elefanten im Raum sprechen: den 21. Dezember 2012.

McKennas Timewave-Modell war nicht nur eine Philosophie; es war eine Prophezeiung. Er rechnete seine Welle bis zu einem Endpunkt durch – einem Punkt, an dem die Gewohnheit auf Null fällt und die Neuheit unendlich wird. Ein „Eschaton“, eine Singularität, das Ende der Geschichte, wie wir sie kennen. Dieses Datum war der 21. Dezember 2012 (passenderweise das Ende des Maya-Kalenders).

Offensichtlich ist die Welt 2012 nicht explodiert. Die Realität ging weiter. Für viele Kritiker war dies der endgültige Beweis, dass McKennas Theorie pseudowissenschaftlicher Unsinn war.

Aber lass uns das einen Moment neu betrachten. Was, wenn McKenna sich nur im Datum geirrt hat, aber nicht im Prinzip? Oder was, wenn 2012 nicht das abrupte Ende war, sondern der Eintritt in den „Ereignishorizont“ der Singularität?

Sieh dir die Welt seit 2012 an. Die exponentielle Explosion von KI (ChatGPT etc.), die globale Pandemie, die Zersplitterung der politischen Realitäten, die Intensität der Klimakrise. Wenn überhaupt, hat sich die Beschleunigung der Neuheit seit 2012 noch einmal dramatisch verschärft.

McKenna ist heute vielleicht relevanter als zu seinen Lebzeiten, weil wir das, was er abstrakt beschrieben hat, jetzt physisch in unseren Händen und vor unseren Bildschirmen erleben.

Teil 5: Was andere Visionäre sagen

McKenna war mit seiner Idee der Beschleunigung nicht allein, auch wenn sein Weg dorthin einzigartig war.

Der wohl berühmteste „Beschleunigungs-Denker“ ist Ray Kurzweil, Futurist und Technikchef bei Google. Kurzweil nennt es das „Gesetz der sich beschleunigenden Erträge“ (Law of Accelerating Returns).

Kurzweil kommt nicht vom I Ging, sondern von nackten Daten (z.B. Moores Gesetz). Er zeigt, dass technologischer Fortschritt (insbesondere Informationstechnologie) nicht linear, sondern exponentiell verläuft. Auch er postuliert einen Endpunkt – die „Singularität“ –, an dem der technologische Wandel so schnell wird, dass er für das menschliche Verständnis unumkehrbar und unbegreiflich wird (z.B. durch die Erschaffung einer Super-KI).

Obwohl der eine Mystiker und der andere Technokrat ist, beschreiben McKenna und Kurzweil exakt denselben Prozess: Eine sich selbst verstärkende Beschleunigung von Komplexität und Information, die auf einen unbegreiflichen Kulminationspunkt zusteuert.

Und schon lange vor ihnen sprach der Mystiker und Paläontologe Pierre Teilhard de Chardin vom „Punkt Omega“ – einem Endpunkt der Evolution, an dem das Universum ein Maximum an Komplexität und Bewusstsein erreicht.

Fazit: Auf der Welle reiten, statt in ihr zu ertrinken

Ob du McKennas fraktale Mathematik nun glaubst oder sie für genialen Unsinn hältst, ist fast zweitrangig. Seine „Novelty Theory“ bleibt die poetischste und vielleicht tiefste Metapher für das, was wir gerade erleben.

Sie gibt uns eine Perspektive, die über das persönliche „Ich bin gestresst“ hinausgeht. Das Gefühl der Atemlosigkeit, der Überforderung, der ständigen Veränderung ist vielleicht kein persönliches Versagen. Es ist der Klang des Universums, das in einen höheren Gang schaltet.

Wir leben in einem Zeitbeben. Wir sind nicht nur Zeugen, wie die Geschichte endet; wir sind die Akteure, in denen das Neue, das „Unmögliche“, mit rasender Geschwindigkeit Gestalt annimmt.

Wenn Terence McKenna recht hat, dann ist unsere Aufgabe nicht, uns gegen diese Welle zu stemmen, sie zu verlangsamen oder zu versuchen, an der „Gewohnheit“ (der alten Welt) festzuhalten. Unsere Aufgabe ist es, Surfer zu werden. Die Balance zu finden, präsent zu bleiben und die immense Energie dieser kosmischen Kompression für unsere eigene Bewusstwerdung zu nutzen. Oder, wie McKenna es vielleicht gesagt hätte: „Ride the Tiger.“


KI-Hinweis: Dieser Artikel wurde auf Basis detaillierter inhaltlicher Vorgaben und persönlicher Einsichten von Cosmo Kaan in Zusammenarbeit mit einer fortschrittlichen KI (Gemini) verfasst. Der gesamte konzeptionelle Rahmen wurde von Kaan vorgegeben, von der KI ausformuliert und anschließend kuratiert und verfeinert, um die intendierte Botschaft präzise und tiefgründig zu vermitteln.