Ich denke, also bin ich? – Eine Reise jenseits der Gewissheit

René Descartes‘ berühmter Ausspruch „Ich denke, also bin ich“ wurde zu einem Eckpfeiler der modernen Philosophie. Er stellt eine klare Verbindung zwischen Denken und Sein her und betont die Unvermeidlichkeit der eigenen Existenz, sobald man denkt. Doch ist diese Aussage wirklich so unumstößlich, wie Descartes annahm? Oder gibt es Raum für Zweifel an der einfachen Gleichung von Denken und Sein?

Descartes‘ Ausspruch „Cogito, ergo sum“ entstand aus seinem Versuch, alles in Frage zu stellen, was bezweifelt werden könnte, um letztendlich auf unumstößlichen Wahrheiten aufzubauen. Doch wenn wir diesen radikalen Zweifel weiterführen, stellen sich einige tiefgehende Fragen: Sind die Gedanken, die ich habe, wirklich meine eigenen? Oder sind sie das Produkt von etwas anderem, vielleicht einer externen Quelle, wie in einer Art Matrix oder Traum eines anderen Wesens?

Der Ursprung der Gedanken

Es ist leicht anzunehmen, dass unsere Gedanken, unser Bewusstsein von uns selbst, unwiderlegbare Beweise unserer Existenz sind. Aber was, wenn das, was wir für unsere eigenen Überlegungen halten, lediglich Eingebungen einer anderen Entität sind? Könnte es sein, dass wir nur Charaktere in einem sorgfältig inszenierten Skript sind, unwissend über unsere Rolle als Marionetten?

Die Möglichkeit einer Illusion

Die Vorstellung, dass unsere gesamte wahrgenommene Realität eine Illusion sein könnte, ist ein zentrales Thema in vielen philosophischen Traditionen, wie im Hinduismus und Buddhismus, und hat auch in der modernen Philosophie und Wissenschaft Einzug gehalten. Nehmen wir zum Beispiel die Simulationstheorie ernst, so könnten wir tatsächlich in einer fortgeschrittenen digitalen Simulation leben, erschaffen von einer höheren Intelligenz. In einem solchen Szenario sind unsere Gedanken, die wir als Beweis unserer Existenz ansehen, möglicherweise nur Algorithmen oder programmierte Reaktionen innerhalb dieser Simulation. Diese Perspektive zwingt uns dazu, die Natur unserer Wahrnehmungen und die Authentizität unserer Erfahrungen in Frage zu stellen. Ist das, was wir als real betrachten, lediglich eine Konstruktion, die so überzeugend ist, dass wir nie zweifeln würden, sie sei künstlich?

Das Selbst als Konstrukt

Moderne Psychologie und Neurowissenschaften legen nahe, dass das, was wir als „Selbst“ betrachten, keine singuläre, unveränderliche Entität ist. Vielmehr ist es ein dynamisches Netzwerk aus neuronalen Prozessen, sozialen Interaktionen und erlernten Mustern. Dieses Selbst ist plastisch, es verändert sich ständig durch Erfahrungen, soziale Kontexte und sogar durch neurologische Veränderungen in unserem Gehirn. Die Idee eines festen, unveränderlichen „Ichs“ wird dadurch problematisch. Wenn unser Selbst so formbar ist, wie können wir dann behaupten, eine konstante Entität zu sein, die „denkt“ und daher „ist“? Diese Frage untergräbt die Vorstellung eines statischen Selbst und fordert uns auf, die Vielschichtigkeit unserer Identitäten zu erkennen. Jede Entscheidung, jeder Gedanke könnte eher eine Momentaufnahme in einem kontinuierlichen Prozess der Selbstkonstruktion sein als der Ausdruck eines festen inneren Kerns.

„Cogito, ergo sum“ hat uns zweifellos einen tiefen Einblick in das menschliche Bewusstsein gegeben und bleibt ein kraftvolles Werkzeug zur Erforschung der Philosophie des Geistes. Doch indem wir diesen Satz als unumstößliche Wahrheit akzeptieren, könnten wir uns selbst von einem tieferen Verständnis der Realität und unserer eigenen Natur abschneiden.

Es ist vielleicht an der Zeit, über Descartes hinauszugehen und zu fragen: Was bedeutet es, wenn ich denke? Existiere ich wirklich in der Weise, wie ich glaube zu existieren, oder ist das nur eine weitere Annahme, die es zu hinterfragen gilt?

Aus dieser Betrachtung heraus berührt das „Ich denke, also bin ich“ nur die Oberfläche einer viel tieferen, komplexeren und dynamischeren Wirklichkeit, in der „Sein“ und „Denken“ nicht so klar definiert oder verlässlich sind, wie es auf den ersten Blick scheinen mag. Indem wir diese Komplexität erkunden, öffnen wir die Tür zu einer reicheren Auseinandersetzung mit der Frage der Existenz und der Natur des Bewusstseins.

In einer Welt, die zunehmend durch Technologie und künstliche Intelligenz geprägt ist, wird diese Frage nur noch drängender. Wahrscheinlich führen uns die folgenden Antworten zu einem neuen Verständnis von Bewusstsein und Existenz, das weit über die Grenzen des Cartesianischen Denkens hinausgeht.


Kommentare

12 Antworten zu „Ich denke, also bin ich? – Eine Reise jenseits der Gewissheit“

  1. Avatar von muktananda13
    muktananda13

    Nicht das Selbst ist ein Konstrukt, sondern das Ego, das „Ich“. Das, was man als das Selbst ausmacht, ist weder das Ich, noch reines, formloses Bewusstsein, – jenseits von Raumzeit, Form und irgendeiner Persönlichkeit.

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    1. Vielen Dank für den Kommentar. Woher kommen die Worte über das Selbst? Und wer ist dieser man?

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  2. Avatar von muktananda13
    muktananda13

    Danke für deine Fragenantwort.
    Hierzu für die F1:
    „Das Selbst als Konstrukt

    Moderne Psychologie und Neurowissenschaften legen nahe, dass das, was wir als „Selbst“ betrachten, keine singuläre, unveränderliche Entität ist. Vielmehr ist es ein dynamisches Netzwerk aus neuronalen Prozessen, sozialen Interaktionen und erlernten Mustern. Dieses Selbst ist plastisch, es verändert sich ständig durch Erfahrungen, soziale Kontexte und sogar durch neurologische Veränderungen in unserem Gehirn.“

    Zu F2:
    „Man “ ist das Generelle, das Allgemeine (auch das All- Gemeine…)
    Das Selbst ist nicht das Ich(Ego), auch vice- versa geltend.

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    1. Und was sagst Du? Das interessiert mich mehr. Woher kommen deine Worte? Danke schön.

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  3. Avatar von muktananda13
    muktananda13

    Hallo Cosmo!

    Das Selbst ist die unsterbliche und absolut göttliche Seele, das Ich dagegen ist das sterbliche und änderliche Ego, die Individualität einer Inkarnation.

    Bei Interesse hierzu:

    https://crisgeoblog.wordpress.com/

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    1. Danke Muktananda. Ich kenne das Konzept. Sind das auch deine Worte, dein intuitives Wissen? Oder ist das die Lehre eines Anderen, die du wiedergibst?

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      1. Avatar von muktananda13
        muktananda13

        Intuitives Wissen basiert auf Vermutung, Instinkt und Vorstellung, also auf Glaube. Glaube ist Nichtwissen. Wer weiß, glaubt nicht; wer glaubt, weiß nicht.
        Praxis, direkte Praxiserfahrung aus 3 Jahrzenter Meditation kombinert teilweise mit Vedanta -Theorie, die wiederum auf direkter Erfahrung basiert. Das ist ist das Resultat des Wissens, das jedem jederzeit verfügbar ist.
        Meditation ist der Schlüssel allen Wissens.

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      2. Avatar von muktananda13
        muktananda13

        Ich zitiere niemanden, ich lese seit vielen Jahren nichts.

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      3. Was ist „Erfahrung“? Was ist „Wissen“? Was ist „Meditation“? Vedanta THEORIE basiert auf direkter „Erfahrung“? Wessen „Erfahrung“? Das sind alles immer noch Konzepte.

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      4. Avatar von muktananda13
        muktananda13

        Erfahrung ist Wissen, Wissen ist Erfahrung. Direkte Erfahrung durch Meditation. Hast du schon mal meditiert, Cosmo?
        Meditation ist das Fehlen der Gedanken , Vorstellungen und Erinnerungen von mindestens 5 Minuten.
        Konzepte sind das, was eben nicht dies sind. Was dem Geist entspringt. Geistige Existenzformeln, so wie Einige sie parat präsentieren.

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      5. Avatar von muktananda13
        muktananda13

        Yoga ist das Stilllegung aller mentaler Aktivität.
        Yoga ist direkte Wahrnehmung.
        Alles andere ist Konzept und Vorstellung. Halluzination.

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  4. „Hast du schon mal meditiert, Cosmo?
    Meditation ist das Fehlen der Gedanken , Vorstellungen und Erinnerungen von mindestens 5 Minuten.“

    Gemäß dieser Beschreibung ja.

    „Yoga ist die Stilllegung aller mentaler Aktivität.
    Yoga ist direkte Wahrnehmung.
    Alles andere ist Konzept und Vorstellung. Halluzination.“

    Das ist die Essenz unseres Dialogs. Namasté :-)

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